Wesemann, Margot – Zeit für Erinnerungen. Eine Kindheit und Jugend in Staßfurt

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Zeit für Erinnerungen. Eine Kindheit und Jugend in Staßfurt​

978-3-932090-19-6

Eine Frau erinnert sich. Sie denkt zurück an ihre Kindheit, viele Jahre sind seitdem vergangen. Sie wächst hinein in ein bürgerliches Leben, wohlbehütet, mit einer familiären Wärme, die die Kindheit als paradiesischen Zustand erleben läßt. Es sind die zwanziger und dreißiger Jahre dieses Jahrhunderts in einer kleinen mitteldeutschen Stadt. Der zeitgeschichtliche Hintergrund bleibt im Bild, aber er wird gesehen, wie ihn viele sahen: verschwommen, zugedeckt von dem, was den Alltag ausgemacht hat, und was als viel wichtiger erschien. Es ist damit ein Erinnerungsbuch für viele, aber es ist auch ein Buch, das es manchem Jüngeren leichter macht, seine Eltern zu verstehen, die in diesen Jahren aufgewachsen sind. Und es zeichnet in Bild von einer Generation, von der viele in dem folgenden schrecklichen Krieg geblieben sind.

 

Auszug

Fenster zur Straße
Erinnerungen an den Hohlweg

Eines Erzählers Weg ist gewöhnlich mit aufgegebenen Plänen gepflastert, und jeder Autor hat in irgendeiner Kiste eine Menge unvollendeter Manuskripte und Notizensammlungen verborgen. Bisweilen aber kommt es vor, daß ein schon fast vergessener Vorfall, nachdem er jahrelang als Stoff für eine Erzählung im Dornröschenschlaf gelegen hat, plötzlich zu neuem Leben erwacht und ganz von selbst anfängt, sein unvermeidliches und entscheidendes Kapitel zu schreiben.
Die Geschichte, die ich hier erzählen will, war solch ein begrabenes Fragment bis zu dem Tag, an dem in Staßfurt mit der Renovierung und Umgestaltung des Hohlwegs begonnen wurde. Doch – mag jemand Erinnerungsgeschichten überhaupt noch lesen? Diese Frage hängt in der Luft. Und dort hängt sie und bedrückt mich. Ich gebe mir nun die Antwort, daß sich viele ältere Leser davon angesprochen fühlen würden. Sie versetzen sich zurück in ihre eigene Kindheit. Sie lesen etwas, was sie verstehen und was sie betrifft. Im Alter wacht die Kindheit auf. Leben findet erst einmal im Herzen statt – und nicht im Kopf.
Wir älteren Menschen sind Zeitzeugen der Geschichte. Ist es nicht wichtig, den jungen Leuten immer mal wieder davon zu erzählen? Das Gehirn weigert sich, neue Daten zu speichern, es öffnet statt dessen sein Archiv.
Was sind die Ufer ohne Kindheitserinnerungen? Fremde Flüsse! Und es gibt eben Plätze im Leben, auf denen man, wann immer man sie betritt, nicht aufhört, sich als Kind zu fühlen. Egal, wie schief und runzlig man inzwischen geworden ist.
So kehre ich ein in die Straße der Erinnerungen. Im Augenblick des Erzählens wird Vergangenheit gegenwärtig. Die Geschichten leben von der Kraft des Alltags.

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