Ließ, Norbert – Kastanienernte auf Hinterhöfen


Ließ, Norbert – Kastanienernte auf Hinterhöfen

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Kastanienernte auf Hinterhöfen
Ein Lesebuch
herausgegeben von Reinhard Försterling

978-3-86289-156-6


Norbert Ließ erzählt von seiner Kindheit in Breslau, der Flucht nach Niedersachsen bei Kriegsende, der Arbeit in der Hütte und bei VW in den 1950er und 1960er Jahren, von Reisen als Gewerkschafter und im Alter, vom Leben in Salzgitter. Das Lesebuch zeigt das Porträt eines engagierten, aufmerksamen Menschen, der aktiv lebte, sich einbrachte.

Auszug: Kapitel I, Großstadtkindheit
Norbert Ließ erzählt in diesem Abschnitt vom Leben in der Breslauer Dachgeschosswohnung mit der Mutter, dem an einem Nervenleiden erkrankten Vater und den beiden Schwestern. Vom Spielen – „Seifenblasen“ und später „Krieg“ – ist hier zu lesen und von den täglichen Kinderpflichten (Einkaufen, Kartoffeln und Kohlen aus dem Keller holen), von dem „Märchenerzähler und Tagträumer“ Norbert und seinem Freund dem „Raufbold und Pflasterstreuner“ Günter, von den Schwittlinskis und anderen Nachbarn und von dem kleinen Karl, durch dessen Taten der Gemeindediener eine Weihnachtsgans bekam. Norbert Ließ erinnert sich an den dicken Bumm, Verehrer der älteren Schwester, die Kinderlandverschickung einen Sommer lang bei einem Kuhbauern, die Begegnung mit einem jüdischen Hausbewohner, Pimpfenparade und an Pädagogen, „die Kinderprügler und Seelenverbieger, die unsere Lehrer waren. Grauköpfe, Glatzköpfe, Dickbäuche im Anzug mit Nadelstreifen oder in Knickerbockerhose und Jacke. Darüber meist graue oder braungelbe Kittel.“
Der Zweite Weltkrieg. Bomben. Evakuierung aufs Land. Leben nach dem Ende des Krieges in Polen. Ausweisung. 
„Dann setzte sich die Kolonne in Bewegung Richtung Glatz. Es war ein schöner, aber bitterkalter Wintertag. Ich habe das Meiste der zehn Kilometer langen Strecke bis zu unserem Ziel zu Fuß zurückgelegt. Wir kamen gegen Mittag auf dem Hof des Finanzamtes in Glatz an, bekamen Zimmer zugewiesen, die mit Stroh ausgelegt waren. Ich verbrachte erstmals in meinem Leben die Nacht in einem Massenquartier. Dem Stroh sahen wir an, dass wir nicht die Ersten waren, die hier zwei oder drei Nächte verbrachten, bis die Viehwaggons bereitgestellt waren, in denen je dreißig Personen mit ihrem Gepäck untergebracht wurden für die Weiterreise zu einem unbekannten Ziel, in eine Zukunft, die voller Ungewissheit war. Wir rollten Richtung Westen.“

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