Blume, Günther – Oschersleben war uns Heimat


Blume, Günther – Oschersleben war uns Heimat

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Jüdisches Leben in Oschersleben 1650–1950

Band 10 der Beiträge zur Kulturgeschichte der Magdeburger Börde und ihrer Randgebiete

978-3-86289-026-2

Einleitung
In der 1. Hälfte des 17. Jh. kam es zu drei Ereignissen, die die Ansiedlung von Juden in Oschersleben ermöglichten. Das waren
1. der 30-jährige Krieg, der die Bürger durch ständige Einquartierungen und Plünderungen verarmen ließ,
2. zwei verheerende Stadtbrände (1601, 1659), die ca. 75% der Stadt vernichteten und die betroffenen Bürger ruinierten und
3. die Umwandlung des Bistums Halberstadt – wozu Oschersleben seit 750 Jahren gehörte – in ein brandenburgisches Fürstentum.
Das verwüstete Fürstentum – wie auch die Stadt Oschersleben – brauchte dringend für den Wiederaufbau möglichst kapitalkräftige und den Handel in Gang bringende Bewohner.
So nimmt es nicht Wunder, dass die unglückseligen Umstände bedingten, das sich die bis dahin durch seine Stadtmauern abgeschirmte und durch seine eingesessenen Bürger immer besetzte Kleinstadt Oschersleben öffnen musste, so dass  sich unter dem Schutz des Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg auch eine kleine Gruppe vermögender Juden in der Stadt niederlassen konnte. Damit beginnt die Geschichte des Oschersleber Judentums.
Es wurde versucht, die jüdische Geschichte der Stadt Oschersleben anhand zusammengetragener geschichtlicher Bruchstücke aus Archiven, Bibliotheken, Museen, jüdischen Museen (Halberstadt, Gröbzig, Berlin), insbesondere der Moses-Mendelssohn-Akademie Halberstadt, und Privatbesitz in einer Monographie darzustellen. Sie beginnt mit der Einwurzelung der Fremden – hier der Juden, mit ihrer Glaubensauffassung, ihren Beson­der­heiten, Sitten und Gebräuchen … /148/ – und endet mit der gewaltsamen Entwurzelung der Oschersleber Staatsbürger jüdischen Glaubens.
Die geschichtlichen Bruchstücke aus den verschiedenen Zeitepochen sollen Einblick geben in  
−     das jüdische vom Glauben geprägte Privat- und Gemeindeleben,
−     die unproblematische Assimilation der „Fremden“,
−     die im Laufe der Jahrhunderte wechselnden Familienstrukturen,
−     die Erfassung des Zivilstandes,
−     die lange dauernde Heranführung an die rechtliche und gesellschaftliche Gleichstellung (Emanzipation) bei der Mitwirkung zur Lösung von Kommunalaufgaben,
−     die wirtschaftlichen Verhältnisse des Einzelnen und der Gemeinde,
−     das Schulwesen unter Berücksichtigung der jüdischen Religions-Vermittlung durch eigens von der jüdischen Gemeinde dafür angestellte Religionslehrer,  
−     den Beginn des aufkommenden Antisemitismus Ende des 19.Jh., der fein zu spüren war bei den Friedhofsverlegungen, in der Weimarer Republik offen auftrat und sich unter Hitler inhuman auswuchs,
−     die Liquidation der Synagogen-Gemeinde,
−     das Gestrige zwecks Vergleich mit dem heutigen Geschehen im Umgang mit Minderheiten deutscher Staatszugehörigkeit.
Die vorgelegte Arbeit ist in ihrer sprachlichen Darstellung angelehnt an die jeweilige Zeitepoche und enthält bewusst keine Kommentierung oder Verallgemeinerung zu den geschichtlichen Bruchstücken. Es gibt keine Beeinflussung durch eine vorgefasste Meinung bei der Bewertung bestimmter Ereignisse.
Die Monographie endet mit dem Jahr 1950. Damit ist keinesfalls die jüdische Geschichte in Oschersleben beendet. Es fehlen Aussagen – um zwei Beispiele zu nennen – z.B. zu der Problematik der Mischehen und den Rückübertragungen von zwangsweise verkauftem jüdischen Besitz während der Zeit des Nationalsozialismus. Dies sind aber Fragen, die zur Zeit aus datenschutzrechtlichen und persönlichen Gründen der Betroffenen noch nicht bearbeitet werden können.
Somit reicht die jüdische Geschichte bis in unsere Tage und wird darüber hinausgehen, bis die Zeit gekommen ist, die Geschichte der Oschersleber Juden ab 1950 weiter zu schreiben.

Frühjahr 2011
Günther Blume

 

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